Band 132

Praß, Reiner: 
Reformprogramm und bäuerliche Interessen. Die Auflösung der traditionellen Gemeindeökonomie im südlichen Niedersachsen 1750-1883. 
1997. 436 Seiten mit 8 Tafeln, 16 Tabellen, 7 Abbildungen und 5 Karten. ISBN 3-525-35447-9

Die agrarischen Reformideen des 18. Jahrhunderts hatten das Ziel, durch die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität eine wachsende Bevölkerung dauerhaft ernähren zu können. Im 19. Jahrhundert wurde vieles davon legislatorisch umgesetzt: Die sogenannte "Bauernbefreiung" sollte die Landwirtschaft aus gemeindewirtschaftlichen Bindungen lösen und die agrarische Betriebsführung individualisieren. Reiner Prass konfrontiert die obrigkeitlichen Reformprogramme mit den konkreten sozialen und ökonomischen Bedingungen und fragt nach der praktischen Durchführung der Reformen. Untersucht werden die Vorgänge im südlichen Niedersachsen. Die Reformen kamen zunächst nicht voran, weil die Bauern die Gemeinheitsteilungen finanziell nicht verkraftet hätten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Teilungen dann jedoch durchgeführt, nach langem Wechselspiel zwischen staatlichem Vorgehen und bäuerlichen Interessen. Reiner Prass verbindet die verschiedenen Aspekte der agrarischen Reformen des 19. Jahrhunderts und erweitert so das Bild von der Entstehung der modernen Landwirtschaft.


© Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen