Band 129

Gierl, Martin: 
Pietismus und Aufklärung. Theologische Polemik und die Kommunikationsreform der Wissenschaft am Ende des 17. Jahrhunderts. 
1997. 644 Seiten mit 19 Abbildungen Halbton und 3 Graphiken. ISBN 3-525-35438-X

Pietismus und Aufklärung haben nicht nur eine geistesgeschichtliche, sondern auch eine kommunikationsgeschichtliche Bedeutung. Beide veränderten grundlegend die Struktur der gelehrten Kommunikation: Aus Zeugen der Wahrheit wurden Vertreter der eigenen Meinung.

Im Mittelpunkt der Untersuchung von Martin Gierl steht die Auseinandersetzung zwischen Pietismus und evangelischer Orthodoxie. In dieser Kontroverse wurde die traditionelle Disputationskultur, die dem Schutz der konfessionellen Wahrheit zu dienen hatte, von einer Konkurrenzkultur zurückgedrängt, die auf die Gewinnung neuen Wissens ausgerichtet war. Die gelehrte Kommunikation veränderte sich und mit ihr auch die theologisch-literarische Öffentlichkeit, die zunehmend in die Auseinandersetzungen eingebunden wurde. Die Frühaufklärer, die ihrerseits diesen Prozeß vorantrieben, konnten also schon auf Kommunikationsstrukturen bauen, die ihrem aufklärerischen Anliegen entgegenkamen.


© Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen